| 1993 DM der IOM-klasse in Köln |
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| Geschrieben von: Thomas Dreyer |
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Dem im Modellsegeln etwas erfahrenen Leser wird vielleicht an der Überschrift etwas aufgefallen sein: z.B. die Mehrzahl in „1-Meter-Klassen". Nanu, es gibt doch nur F5-E? Stimmt nicht, seit diesem Jahr ist noch die International One Meter Class, von mir kurz IOM genannt, der IYRU dazugekommen. Diese Klassen-Vermessung ist nun keinesfalls neu, sondern existiert bereits seit 1989 in einigen Ländern der IYRU. Sie hat sich dort z.T. mit einem so durchschlagenden Erfolg und unerwartet hohen Zuwachs-Zahlen kräftig in Szene gesetzt, wie wir es uns mit unserer F5-E-Regel auch gewünscht hätten. Allerdings war die Zielsetzung dieser Vermessung auch etwas anders gefaßt. Umfangreiche Veränderungen in der internationalen als auch der nationalen Modellsegel-Szene, letztlich aber die in meinen Augen besseren technischen Auslegungen der IOM haben die technische Kommission Modellsegeln DSV/Nauticus zu der offiziellen Einführung dieser Klasse in Deutschland Anfang dieses Jahres bewogen. Ab nächstem Jahr sollen dann neue 1-Meter-Boote nur noch nach dieser Vermessung gebaut werden. Bisherige F5-E-Boote bleiben weiterhin gültig, brauchen also nicht geändert zu werden. Doch darüber soll in der SchiffsModell demnächst ein eigener Bericht erfolgen, da dies jetzt zu weit führen würde. Für Aufmerksamkeit sollte ferner das Wort "Offene" in der Überschrift sorgen. Hier handelte es sich doch tatsächlich um die erste Offene Meisterschaft in einer Modellsegelklasse, d.h., es konnte jeder Interessierte mit einer passenden Yacht mitmachen, es war also keine Verbandszugehörigkeit erforderlich, somit „offen" für jedermann. Die Resonanz von Nichtmitgliedern war leider nicht besonders groß, allerdings war die Werbung für diese Veranstaltung auch nicht besonders aufregend gewesen. Wer nicht aufmerksam die Vereinsnachrichten in der SchiffsModell im Mai las, wird keine Ahnung gehabt haben. Einen Sponsor für massivere Werbung gab es nicht. Leider hatten sich aber auch diverse privat angeschriebene Segler nicht gemeldet. Aus unseren östlicheren Bundesländern hatte sich nur ein Segler auf den Weg gemacht, 1991 waren es derer noch vier. Schade! Dafür waren aber sogar aus der Mini-Sail-Szene zwei Vertreter zu uns „Gummi-Nasen-Seglern" gekommen, um sich dem Streß einer Regatta auszusetzen. Sie haben es überlebt, und ich hoffe, sie werden von den eingefleischten Sailors jetzt nicht ausgestoßen.. .
Es sei erwähnt, daß sich die 1-Meter-Klasse mittlerweile zur zweitstärksten Klasse in Deutschland entwickelt hat; bei der DM der Tenrater im Juni in Krefeld waren weniger als 20 Teilnehmer am Start. Vielleicht hat das Regattasegeln für einige, soll ich sagen "Freizeit-"Segler ja noch immer einen abschreckenden Ruf, so von wegen „Freizeitstreß" und "Regelprügelei" und "Expertentum"? Nun, bei dieser Veranstaltung hat man das genaue Gegenteil vorgeführt bekommen, und so kann ich im nachhinein nur feststellen, daß alle Nichtteilnehmer etwas verpaßt haben. Nächstes Mal? Die 27 Teilnehmer waren in drei Gruppen aufgeteilt, mit drei Einteilungsläufen ging es am Samstag los, gefolgt von 8 Wertungsläufen bis Sonntagmittag, so daß insgesamt 11 Läufe in die Endwertung eingingen. Bei dem leichten bis sehr leichten Wind (=zwei Laufabbrüche wegen Flaute) und dem verhältnismäßig großen Kurs ein Zeichen guter Organisation, die in den Händen von Gerd Meysemeyer (MSC Neuß) als Startstellenleiter und der dazu passenden guten Vorbereitung durch den MBC Rodenkirchen lag. Hinzu kam das ideale Revier an der Ruderstrecke des Fühlinger Sees, das sich hervorragend zum Regattasegeln eignet. Das Wassergeschehen wurde von vier Observern/Beobachtern verfolgt, die jedoch nicht viel zu tun hatten. Protestverhandlungen gab es keine, vorkommende Berührungen/Regelverstöße wurden von den Teilnehmern sofort auf dem Wasser geregelt. Das ruhige, meist verhangene Wetter mag dazu beigetragen haben, doch ich wünsche mir doch auch mal wenigstens eine 1-Meter-Regatta mit mehr als nur ewig leichtem Wind. . . Die Boote beider Klassen F5- E und IOM wurden gemeinsam, d.h. zusammen gesegelt und am Ende bei der Schlußrechnung getrennt gewertet aufgeführt. Im Vorfeld hatte es aufgrund der Unterschiede der beiden Vermessungen (IOM hat z.B. ein Entgegen der Befürchtungen mancher Fachleute, z. B. aus dem hohen Norden, die allerdings bei der Regatta dann nicht anwesend waren, waren auf dem Wasser zwischen den beiden Vermessungen keine gravierenden Unterschiede feststellbar. Laut Theorie und der Meinung dieser Fachleute hätten die IOM-Boote ja gerade bei diesen leichten Winden kräftig absahnen müssen, ich hatte das eigentlich auch etwas stärker erwartet, aber laßt es Euch gesagt sein: Grau ist alle Theorie!!!
Hier, wie auch bei bereits vorangegangenen Regatten, waren zwischen guten F5-E- und guten IOM-Booten kaum Unterschiede auf dem Dreieckskurs zu bemerken, und das trotz des für 1-m-Boote z.T. sehr großen Kurses mit relativ langen Strecken! Letztendlich zeigt dies auch das Ergebnis, in dem die angeblich so benachteiligte F5-E-Vermessung die beiden ersten Plätze einnahm. Dies lag gewiß nicht nur an den Steuerleuten! Sicher, es gibt Unterschiede bei manchen Bedingungen, das wäre ja auch noch schöner, nur wirken die sich auf einem Dreieckskurs halt nicht so wesentlich aus, wie man zu glauben bereit ist. Man konnte beide Klassen tadellos miteinander segeln lassen, und dies wird auch für die Zukunft gelten.
Nach den Vorläufen lagen D. Halle-Krahl (IOM) und T. Dreyer (F5-E) mit jeweils 1,7 Punkten vorn, gefolgt von W.Krüll (F5-E) und H. Bohn (IOM). In den anschließenden Wertungsläufen nistete sich T.Dreyer, wie schon 1991, mit seiner bewährten und unveränderten "Last Minute" (s.SM 5 und 6/1991) wieder an der Spitze ein, während es bei den nachfolgenden Plätzen schon enger zuging. Besonders D. Halle-Krahl mit seiner Eigenkonstruktion und H. Bohn mit seiner „Jazz" (G. Bantock) lieferten sich bis zuletzt ein spannendes Duell, weil einer nach dem anderen mal einen Abstieg in die B-Gruppe mit dortigem Aufenthalt einstecken mußte, wobei H. Bohn schließlich um 1,3 Punkte seine (Gummi-)Nase vor D. Halle-Krahl hatte.
Den sechsten Platz ersegelte sich J. Hoffmann (Nicht-Verbandsmitglied) mit seiner getunten F5-E MIRAMARE. Es war für ihn erst die zweite Segelregatta überhaupt, wer sagt also, daß Einsteiger keine Chancen hätten? Günter Gödderz, 7. Platz, segelte den letzten IOM-Entwurf aus der Feder von G. Bantock, eine „Ragtime". Dicht dahinter Sonja Bohn mit ihrer IOM-
Im Gegensatz zu 1991 tut sich also in Sachen Bootsentwicklung etwas, die Dominanz der MIRAMARE/"Mini-Cedar"-Varianten ist vorbei, neue Boote beleben die Szene. Daß der Wechsel zu einem neuen Boot nicht immer von Erfolg gekrönt ist, werden sich vielleicht U. Hofmeister und G. Schulze am Ende gedacht haben, die mit ihren neuen, nach F5-E getakelten "Ragtimes" nicht so recht in Schwung kamen und die Top Ten nicht erreichten, nachdem sie 1991 mit ihren alten Booten auf Platz 4 und 3 gelandet waren. Next time! High-Tech, oder was man so nennt, fehlte auf den ersten 10 Booten fast völlig, sieht man mal von einem aufwendigen Segelschnitt beim Siegerboot ab. Alles bewährte Funktions- und Bauprinzipien (z. B. Pendelfock), wobei bei der IOM-Vermessung sowieso die Beschläge und die Bauausführungen relativ präzise vorgegeben sind. Über die Ausführung mancher Beschläge bzw. ganzer Boote im Feld kann man geteilter Meinung sein; manches ist schlichtweg komplizierter im Aufbau (und in der Herstellung), als es für die Funktion nötig wäre, ja z.T. sogar hinderlich. Unnötig aufwendige, Beschläge, wie z. B. feste Fockbäume, erfordern aber neben einer durchdachten Konstruktion auch den geübten Umgang in der Einstellung. Es gibt genug andere Punkte, deren Beachtung und Beherrschung wichtiger ist, als sich mit solch unnötigen Sachen plagen zu müssen. Die IOM-Regel hat dies berücksichtigt und erlaubt lediglich die zum Segeln elementaren Beschläge/Funktionsprinzipien. Da wird das Augenmerk bewußt auf das gelenkt, was wichtig ist, nämlich den grundsätzlichen Aufbau, Trimm und Umgang mit einer Modell-Regatta-Yacht unter Verwendung von Basis-Technik. Wer das so gelernt hat, der kommt später auch leichter mit anderen Booten zurecht, da er eben das Einmaleins gelernt hat (haben sollte). Außerdem: Nichts gegen schöne Beschläge etc., aber statt z. B. stundenlang im Alu zu sägen, bohren, feilen und natürlich zu polieren
Bei F5-E sind Kohlefaser-Masten Standard, bei IOM ist nur Aluminium oder Holz erlaubt. Kohlefaser wäre auch hier eine sinnvolle Ergänzung, zählen derartige Rohre nun inzwischen nach jahrelangem Gebrauch wirklich nicht mehr zu „High-Tech" (oder nennen Sie Ihr Radio mit Digital-Anzeige noch High-End?). Das Segelmaterial ist fast durchgehend Polyesterzeichenfolie. Dünner, passender Segelstoff ist schwierig zu bekommen, häufig teurer und bringt meistens keinen Vorteil. Viele Segelsätze stammten übrigens aus der Produktion von H. Bohn, der in Lizenz auch die Rumpfschale der "Jazz" herstellt. Dieses Bantock-Design ist mittlerweile 4 Jahre alt und hat in England bereits drei Meisterschaften überlegen gewonnen. Auch Dieter Halle-Krahl will in begrenzter Stückzahl seine Rumpfschale, evtl. auch Kiel und Ruder herstellen. Beides sind Boote erster Wahl, wer also einen Neubau plant. . . Als Segelwinden kamen überwiegend die englischen Whirlwind-Typen zum Einsatz, aber auch die neue Graupner-Winde REGATTA war bereits bei einigen zu sehen. Sie stellt eine verbesserte Kopie der Whirlwind dar, mit gleichen Einbaumaßen, ist jedoch etwas schneller und kräftiger und dabei noch ein paar Gramm leichter. Alles in allem also eine gelungene Veranstaltung, die - und dies sicher nicht nur aus der Sicht des Siegers - zum Nachmachen einlädt. Wann? Spätestens in zwei Jahren!
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| Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 10. Januar 2010 um 14:22 Uhr |